Vor Kurzem starb meine Mutter im Alter von 79 Jahren völlig überraschend. So ganz habe ich den Verlust bis heute nicht verarbeitet und Trauer umgibt mich noch immer. Können Sie mir vielleicht einen Tipp geben wie ich damit am besten umgehe?

Das alles hat mir viel Lebensfreude genommen und viel Ärger mit meinen Schwestern wegen dem Erbe gebracht. Leider. Vielen Dank.

 

Lieber Freund,

gerne antworte ich auf Ihre Anfrage. Hier kommt meine Meinung dazu … bitte vergegenwärtigen Sie sich, dass ich nicht der Weisheit letzter Schluss bin. Ich plaudere nur ein wenig mit Ihnen, vielleicht ist das ein Tipp für Sie, vielleicht auch nicht:

1. Ihre Mutter ist mit 79 Jahren verstorben.

Es tut mir leid, Ihnen sagen zu müssen, dass niemand überraschend mit 79 Jahren stirbt, egal wie gesund er auch gewesen sein mag. 79 Jahre sind das Alter zum Sterben … es ist ganz normal, in diesem Alter sich auf den Weg in neue Gefilde zu begeben.

Ihre Mutter hat sich auf ihre Reise zu einem angemessenen Zeitpunkt begeben … das ist meine Sicht als Altenpflegerin.

2. Natürlich kann der Tod überraschend kommen, aber das bedeutet nur, dass man sich noch nicht mit ihm auseinandergesetzt hat. Nicht nur mit 79 Jahren, jederzeit kann der Tod kommen – sind Sie darauf vorbereitet? Haben Sie sich damit auseinandergesetzt, dass von einem Moment zum nächsten alles vorbei ist?

Alle Ihre Beziehungen, alles was Ihnen wichtig ist, alles was Ihnen lieb ist … plötzlich von einer Sekunde zur nächsten vorbei ….

Mein Tipp ist, Sie lassen den Tod an sich heran … Auf dieser Website bei Fragen, finden Sie auch eine Seite mit Meditationen. Finden Sie eine Meditation, die Ihnen zusagt und spielen Sie mit ihr. So kommen Sie langsam, langsam zu einem entspannten Verhältnis mit dem Tod – Ihrem eigenen und dem Ihrer Mutter – dem Phänomen Tod an sich.

Das ist wichtig, denn das ist die Voraussetzung dafür, dass Sie den Tod Ihrer Mutter willkommen heißen lernen.

Viele Hinweise rund um Meditation gibt es auch bei dem deutschen Magazin FindYourNose.com.

3. Es ist ganz natürlich, dass man es bedauert, dass seine Mutter den Körper verlassen hat und nicht mehr da ist. Wenn dieses Gefühl allerdings länger anhält, dann bedeutet das, dass etwas nicht vollkommen ist. Oder anders gesagt, etwas in der Beziehung von Ihnen zu Ihrer Mutter ist unerfüllt.

Ihre Mutter ist auf Ihrer Reise in neue Gefilde – das ist ein Grund, sich zu freuen. Sie ist auf Ihrem Weg zu neuen Erfahrungen. Freuen Sie sich für sie …. das wird auch ihr helfen, unbeschwert in ihr neues Dasein einzutauchen.Was Ihre unerfüllten Gefühle jedoch betrifft, da gibt es kein Problem.

Ihre Mutter ist irgendwo in dieser Existenz … und es gibt eine einfache goldene Brücke zu ihr: Die Liebe. Wenn Sie in Kontakt mit ihr gehen wollen, um ihr zum Beispiel nocheinmal Ihre Dankbarkeit von Herzen auszudrücken, dann geht das ganz leicht.

Öffnen Sie Ihr Herz …. lassen Sie Ihre Liebe und Dankbarkeit hinströmen zu ihr … es wird ankommen. Sie wird es empfangen. Liebe findet ihren Weg. Lassen Sie alles hinströmen zu ihr, was in Ihnen noch unerfüllt ist.

4. Und dann, wenn Sie alles gegeben haben, was Ihnen auf dem Herzen lag, dann wird die Trauer verschwinden. Verabschieden Sie sich von Ihrer Mutter. Mit dem Verstehen, dass wir auf dieser Erde nur kurz sind, wir sind alles Fremde, die für eine Weile miteinander leben und dann sich wieder trennen. So ist das für jeden. Auch für Sie und Ihre Mutter.

Auch für mich ist das so – mein geliebter Freund und ich, wir werden uns auch eines Tages trennen und jeder wird dann seines Weges gehen. In Schönheit und Freiheit. Und in unbeschwertem Lachen.

Das Problem der Anhaftung an geliebte Menschen ist nur, dass etwas unerfüllt geblieben ist. Sonst kann man sich mit leichtem Herzen trennen.

Eines meiner Bücher heißt: Ästhetisches Sterben mit Lachen und Meditation. Beide Aspekte – das Lachen über den Tod und das Sterben, und die Stille, die Meditation – beide Aspekte gehören mit zum Sterben. Beim Tod von einem geliebten Menschen und beim eigenen Tod.

Lesen Sie ein wenig auf meiner Website oder kaufen Sie sich die Bücher. Vielleicht bekommen Sie neue Anregungen, die Ihnen helfen, über Ihre Trauer hinwegzukommen.

5. Ärger mit den Schwestern um das Erbe:
Ärger bedeutet, dass man sich selbst verletzt. Er bringt nichts, man verwundet sich selbst und manchmal auch die anderen. Aber in erster Linie sich selbst. Entspannen Sie sich. Und was aus dieser gelassenen Entspannung heraus passiert, ist das Richtige. Nehmen Sie die Dinge leichter und spielerischer, dann verletzen Sie sich auch nicht.

Soweit meine Vorschläge.

Liebe

Pakhi

Pakhi
hat Erfahrung in Meditation, ist Altenpflegerin und das Thema Sterben liegt ihr am Herzen