Wie ist man ein Spiegel?
20. Februar 2019
Liebe Pakhi,
 
dein Lebensgefährte ist vor kurzem verstorben ….
würdest du bitte etwas über Trauer sagen?

Liebe Freundin,

obwohl ich in einer positiven Grundhaltung bin, weine ich manchmal. Es ist die Liebe, die mich zum Weinen bringt – die Liebe zu meinem Gefährten und seine Liebe zu mir, die viele Liebe der Umgebung, die zu mir fließt.
Es ist eigenartig, die Liebe bringt mich zum Weinen, als ob ich nie gelernt hätte, sie voll und ganz anzunehmen.

Manchmal werde ich in Erinnerungen gezogen, was mich erschüttert. Mein Denken plustert sich auf mit vielen Gedanken an das, was vorbei ist. Da gibt es eine große Lösung: Ins Hier und Jetzt zu kommen. Das Vergangene vorbei sein zu lassen und sich voll auf die Gegenwart zu beziehen. Das ist der Königsweg – die Erlösung aus der Trauerhölle, die sich öffnet, wenn ich den Erinnerungen nachgebe.

Es ist mir klar geworden, dass ich Jetzt und Hier lebe. Für mich, mein Leben lebe. Der Lebensgefährte ist nicht mehr da, ich bin alleine. Und ich genieße mein Alleinsein. Ja, ich darf das. Mit Freuden alleinesein im Hier und Jetzt. Die Liebe zu meinem Freund ist in mir, sie begleitet mich in meinem Alleinesein. Doch ich bin in der Gegenwart, nicht in Gedanken bei Vergangenem.

Manchmal weine ich …. es ist meine Dankbarkeit ihm gegenüber, die mich dann wieder zu mir bringt. Ich erlöse mich von der Trauer, indem ich mich um mich kümmere:
mein Leben als Geschenk der Existenz genieße, in Stille bin und feiere. 

Mein Herz ist offen für alles, was da sein will.

Liebe 

Pakhi

Pakhi
Pakhi
... hat Erfahrung in Meditation, ist Altenpflegerin und das Thema Sterben liegt ihr am Herzen.