Liebe Pakhi, diese Frage hat mich gerade beschäftigt: Wenn du im Tod diesen tiefen ekstatischen Zustand erlebst, ist das vielleicht gar nicht der Tod, sondern nur das intensive Leben? Vielleicht verwechselst du das und hältst das für den Tod, was eigentlich das Leben ist?

 

Lieber Freund,

deine Frage klingt kompliziert … aber sie ist ganz einfach zu beantworten:

Genau! Genau so ist es. Wie du es sagst. Der wunderbare Zustand des Todes ist eigentlich das Leben. Eigentlich könnten wir immer diesen wunderbaren Zustand erfahren, denn er entspricht dem Leben.

Insofern stimmt es: Leben und Tod sind beides das Gleiche. Es gibt keine Trennung zwischen ihnen. Sie sind ein Pänomen, oder ich könnte auch sagen, es gibt nur diese intensive, stille, überfließende, segensreiche und mysteriöse Energie. Sie ist da, wo immer wir auch sind.

Im Buch: Ästhetisches Sterben mit Lachen und Meditation beschreibe ich dieses Phänomen mit: der Himmel (oder auch der Tod) ist immer da. Ich zitiere: 
… 
Der Himmel bedeutet einfach, die Liebe annehmen zu können. Wir öffnen uns für das, was immer da ist, denn der Himmel der Liebe und der Erhebung ist immer da.

Die Hölle erschaffen wir uns selbst, weil wir uns nicht verzeihen können aus unserem Missverständnis heraus, doch die Liebe und die Glückseligkeit ist immer da. Wir brauchen sie nicht zu erschaffen, sie sind da.

Es ist eine Frage des sich für sie Öffnens. Fühlen wir uns bereit, das Glück an uns heranzulassen, ja wollen wir uns ihm ergeben?

Das können wir am besten, wenn wir uns schon im Leben total darauf eingestellt haben. Auch deshalb meinte ich, dass diese Zuwendung zu Konstruktivem, Kreativem, Natürlichem so entscheidend ist. Wir stellen uns mehr und mehr darauf ein und können uns mehr und mehr in dessen Gegenwart entspannen und es feiern.

Eine feiernde Haltung ist die beste Vorbereitung, sich dem Himmel (oder auch dem Tod), dem Mysterium ergeben zu können.

Wenn wir verstanden haben, dass unser Ich-Gefühl es ist, das uns immer wieder vom Himmel (oder auch vom Tod) abbringt, dann lernen wir langsam, es zu lassen.

Die Existenz tanzt immer, sie feiert immer. (Diese intensive Lebensenergie ist immer da, so wie du es sagtest …)

Doch wir können nicht sehr oft mitgehen, nur gelegentlich haben wir Momente, in denen wir offen sind für die Glückseligkeit. Unsere Härte, unsere Schale, unser Denken, dass wir es besser wissen, hindert uns daran, mehr und mehr sich dem Fluss der Existenz hinzugeben.

In uns ist eine Meinung, dass wir uns zusammenreißen müssen, dass wir unseren Mann stehen müssen, dass wir überlegen sein müssen, um zu überleben.

Im Himmel sind wir, wenn wir uns entspannen, wenn wir nachgeben und unser Ich-Gefühl nicht so wichtig nehmen. Es lassen können. 
… 
Ein tiefes Ja! zu allem was passiert, ist nötig und wir sind im Himmel (und auch im Tod). Jeden Moment. 

Ja, lieber Freund. Du hast recht. Es ist das Gleiche. Der Himmel oder auch der Tod ist immer da.

Oder noch besser sollte ich sagen: Es ist immer Himmel und es ist immer Tod. Hihi, aber dass klingt schon wieder so kompliziert, obwohl ich es gar nicht so meine …

Und noch was: Vielleicht wäre es gut, wenn du ein wenig mehr Erfahrung sammeln würdest. Probier doch mal ein paar Meditationen, die ich in dem Buch angegeben habe, um dem Tod zu begegnen.

Ich hoffe, ich habe deine Frage für dich genügend beantwortet.

Eine herzliche Umarmung

Pakhi

Pakhi
hat Erfahrung in Meditation, ist Altenpflegerin und das Thema Sterben liegt ihr am Herzen