Wie fühlt sich Sterben an?

 

Liebe Freundin,

du fragst mich: Wie fühlt sich Sterben an?

Das musst du selbst herausfinden – es nutzt dir gar nichts, wenn ich dir sagen würde: so und so. Du musst selbst Erfahrungen machen.

Daher hänge ich dir einige Meditationen aus meinen Büchern an, die du ausprobieren kannst. Sie beziehen sich darauf, dem Tod zu begegnen. Wenn dir eine zusagt, dann mache sie für mindestens 21 Tage, dann wirkt sie am besten:

Ausatmen: Das Leben entspricht dem Einatmen, der Tod dem Ausatmen. Setze dich für eine viertel Stunde hin und atme nur aus. Der Körper wird von selbst wieder einatmen, du hast dein Augenmerk auf dem Ausatmen. Atme lange und ruhig aus und schließe die Augen dabei. Gehe nach Innen beim Ausatmen.

Und wenn dein Körper wieder einatmet, öffne die Augen und gehe nach Außen mit deinem Bewusstsein. Ausatmen entspricht dem Tod und nur dann kann man nach Innen gehen. Wenn man einatmet, geht das nicht.

Kreiere einen Rhythmus zwischen dem Aus- und Einatmen und du wirst sehr entspannt dabei werden.

 

Lass dich verbrennen, einäschern: Lege dich hin und sei wie eine Leiche. Sei entspannt und fürchte dich nicht vor dem Tod, sondern heiße ihn willkommen. Habe deine Aufmerksamkeit auf den Zehen und beginne dort, dich von dem Feuer verbrennen zu lassen.

Gehe langsam nach oben weiter, dein Körper verschwindet mehr und mehr, da wo er zur Asche verbrannt wird. Du schaust nur zu, du bist der Beobachter auf dem Hügel, weit entfernt von dem, was geschieht.

Diese Meditation kann man für drei Monate machen, so wirkt sie am besten. Es ist gut, jedes Mal als Vorbereitung die Meditation „Ausatmen“ vorher zu machen. Diese Meditation entspannt sehr, so dass man es besser zulassen kann, zu verbrennen und zu Asche zu werden.

Auch ist es hilfreich, schon einmal eine Verbrennung gesehen zu haben, daher sollte man auf Einäscherungen gehen und sie sich anschauen.

 

Die vier Schritte: Lege dich hin, vielleicht vor dem Einschlafen. Entspanne zuerst deinen Körper. Von den Zehen zum Kopf. Lass ihn einfach nur daliegen, wie eine Schale um dich herum. Bringe deine Aufmerksamkeit nach Innen. Mach keine Anstrengung daraus, lasse es geschehen.

Nach ein paar Minuten entspanne dein Atmen. Lass es sich beruhigen. Nach weiteren Minuten entspanne deine Gedanken.

Und dann bleibe zehn Minuten lang still. Diese Phase ist die wichtigste. Hier sei in der tiefen Stille, sei nach Innen gekehrt.

 

Eine Einladung an den Tod: Sitze oder liege und lade den Tod ein, zu kommen. Umarme ihn, heiße ihn als deinen Gast willkommen. Akzeptiere ihn mit Entspannung und lasse ihn tief in dich einsinken.

 

Gehe über den Tod hinaus: Habe das Gefühl, als ob der Körper stirbt. Schließe die Augen und beginne zu fühlen, dass du stirbst. Dein Körper wird schwer wie Blei werden.

Wenn der Moment kommt, an dem du das Gefühl hast, dass du nun wirklich stirbst, dann vergiss plötzlich den Körper und gehe über den Tod hinaus. Vergiss, dass du stirbst, und werde zum Beobachter und Zeuge des Körpers.

 

Ergebung in die Existenz: Ergib dich der Existenz und sage: „Was immer auch passieren will, soll geschehen.“

 

Ein Zeuge sein: Sei in deinen alltäglichen Aktivitäten ein Zeuge, ein Zuschauer, kein Erfahrender. Sei nicht empfänglich für die Situationen, die dir begegnen, sondern sei wie ein Spiegel. Beobachte alles, spiegele alles wider, doch erfahre nicht.

Wenn du zum Beispiel dir Essen kochst, dann schaue zu, wie du es machst, bleibe Zeuge, auch beim Essen, schaue zu, wie du isst. Dieser Moment von Aufmerksamkeit wird zu einem Moment der Meditation.

 

Den Körper von Innen erfahren: Schließe deine Augen und versuche zu fühlen und zu erfahren, was der Körper von Innen ist. Spüre ihn von Innen. Erforsche ihn von Innen.

 

Das Ausfließen deiner Stärke: Lege dich hin und nimm an, dass du allmählich deiner Stärke beraubt wirst. Sie wird dir von allen Seiten abgesaugt. In dem Moment, wo du fühlst, dass jegliche Stärke in dir ausgeflossen ist, gehe über diesen Zustand hinaus.

Sei ein Zuschauer, ein Zeuge, werde zum Beobachter.

 

Viel Freude am Ausprobieren wünsche ich dir

Pakhi

Pakhi
Pakhi

hat Erfahrung in Meditation, ist Altenpflegerin und das Thema Sterben liegt ihr am Herzen