Hallo Pakhi, also mein Haus ist noch nicht so klapprig, dass ich es aufgeben muss. Ich hoffe auch, dass es mir noch ein wenig erhalten bleibt. Trotzdem kümmere ich mich schon um meine Zeit, wenn ich gegangen bin und mein Körper schlafen wird. Ich will eine Erdbestattung.

Meine Tochter hat Epilepsie und so manch anderes und ich kenne sie in ihrer Trauer. Ich habe niemand, der sich um die Trauerfeier und Beerdigung kümmern würde, so tue ich das jetzt. Und ich wollte dich fragen, ob du mir einfach so mit Ideen und Tipps helfen magst. Liebe Grüsse

 

Liebe Freundin,

habe ich dich richtig verstanden, dass du Tipps für die Beerdigung und eine Trauerfeier für deine Tochter haben möchtest? Wenn das so ist, dann schreibe ich dir dazu folgendes:

1. Ich wünsche deiner Tochter alles Gute auf ihrer Reise nach innen. Möge sie entspannt sein, ohne Sorge, und friedlich und beruhigt gehen können. Möge sie ihre bisherige Hülle ganz einfach loslassen können, ohne auch nur zurückzublicken.

2. Liebe Freundin, ich weiß nicht, ob du mein Buch gelesen hast – darin empfehle ich auf jeden Fall eine Verbrennung, keine Beerdigung. Denn es ist so, dass das Denken des Toten einen Menschen sucht, an den es sich anhaften kann.

Wenn nun der tote Körper noch besteht und lange besteht, hat sein Denken die Tendenz, sich an ihn zu hängen, einfach nur deswegen, weil es das schon immer so gemacht hat.

Es ist eine Hilfe, den toten Körper so bald als möglich zu verbrennen und damit das Denken des Toten darin zu unterstützen, sich aufzulösen.

3. Ich kann dir nun nur Tipps geben, was ich machen würde. Der Haupttipp von mir ist allerdings an dich, deiner Intuition zu folgen, dir und deinen Eingebungen zu vertrauen. Stelle dich auf das Problem ein und dann entspanne und habe eine liebevolle, unterstützende Einstellung allem gegenüber.

Dann entscheide – und es wird genau das richtige für alle Beteiligten sein.

4. Trotzdem gebe ich dir nun ein paar Hinweise: Ich würde deine Tochter fragen, was sie gerne hätte, unter welchen Umständen sie diesen Planeten verlassen will.

5. Und dann würde ich mich selbst fragen, wie ich es machen will, so dass es ein schönes, friedliches und angemessenes Fest wird.

6. Wichtig ist, liebe Freundin, dass du auf dich selbst Rücksicht nimmt. Was immer du planst, du musst dabei bedenken, dass es dich nicht belastet, sondern erhebt und dir gut tut. Deine Tochter ist dann verschwunden – du bist hier.

Du musst dich um dich kümmern. Plane also etwas, das deinen Möglichkeiten entspricht. Achte darauf, dich nicht zu überfordern.

7. Ich weiß nicht, wie die Möglichkeiten in dem Ort sind, wo du wohnst. Sprich mit einem Beerdigungsinstitut deiner Wahl. Dabei würde ich gleich zu anfangs nachfragen, ob auch ungewöhnliche Feiern und Beerdigungen/Einäscherungen möglich sind, sonst nimmst du ein anderes.

Du kannst schon jetzt dir eines aussuchen und alles mit diesem Institut besprechen. Sie sind sehr hilfreich und meist auch kooperativ und kennen sich gut aus, was machbar ist und was nicht bezüglich der Gegebenheiten.

Sie helfen dir auch mit den Formalitäten, nehmen dir fast alles ab, und sagen dir, an was du noch denken musst. So ein Institut ist sehr hilfreich – doch suche ein bisschen, bis du eines findest, das dir entspricht.

8. Bevor du mit diesen Leuten sprichst, sei dir jetzt schon klar darüber, was du wie haben möchtest. Willst du zum Beispiel Karten verschicken? Einladungen für die Trauerfeier verschicken? Willst du eine Feier, die öffentlich ist, oder nur im kleinen Kreise mit eingeladenen Freunden?

Überlege dir, was du sonst noch gerne machen würdest und folge dem, folge deinem Herzen.

9. Für die Trauerfeier empfehle ich, eben keine Trauerfeier zu machen, sondern ein Fest. Bei der Einäscherung meines Vaters fühlte ich, wie die normalen christlichen Trauerfeiern belastend für jeden Beteiligten sind.

Daher sage ich dir, suche dir schöne Musik aus, die du für angemessen empfindest. Am besten passend finde ich Musik aus der Welt von Osho. Deuter ist wunderbar.

Aber meines Erachtens brauchst du auch starke Musik, wilde Musik, so dass die Leute dazu sich bewegen und tanzen können. Es haben sich soviele Emotionen angestaut, auch mysteriöse Energien schwirren rum – das ist schwer, damit zurechtzukommen.

Daher ist auch ein wildes Musikstück wichtig, bei dem man seine Liebe und seine Gefühle für deine Tochter ausdrücken kann. Ich weiß, das ist völlig unüblich in unserer Gesellschaft – aber vielleicht hast du den Mut und den Wunsch, dies zu tun.

10. Folge bei der Aufbahrung deinem Sinn für Ästhetik. Ich warne dich davor, dem „Üblichen“ zu vertrauen, denn das ist destruktiv. Folge deinem Sinn für Schönheit, deiner Liebe für deine Tochter, deinem Mitgefühl mit dir selbst und du findest die besten Möglichkeiten.

Wie die Umstände sich dann entwickeln, weiß ich nicht, daher kann ich dir auch keine genaueren Tipps geben. Ich weiß nicht, ob du Räumlichkeiten hast, wo man feiern kann, oder ob du dazu öffentlich etwas mieten musst … dazu würde ich wieder das Beerdigungsinstitut fragen, die wissen das.

11. Auch für die Beerdigung/Verbrennung kann ich dir keine genaueren Tipps geben als diesen: Setz dich hin, stell dich auf den Tod deiner Tochter ein. Frage dich, was kannst du tun, damit auch dieser Anlass schön und ästhetisch wird. Und dann folge deiner Eingebung.

Ich muss dich allerdings nochmal davor warnen, es im üblichen Rahmen ablaufen zu lassen, denn das ist höchst destruktiv für jeden Beteiligten, denn jeder wird dabei mit Schmerz und Dunkelheit überschüttet.

12. Versuche, den Tod deiner lieben Tochter als freudiges Ereignis zu sehen. Sie verlässt diese Welt und zieht in neue Gefilde, die ihr weiterhelfen, die sie bereichern und beglücken. Freue dich mit ihr, lass sie beruhigt gehen.

Mit diesem positiven Ansatz wirst du auch alles wunderschön machen, sei dir sicher.

Nun hoffe ich, dass ich dir ein paar Anregungen geben konnte.

Ich wünsche dir alles Gute 
mit herzlichen Grüßen

Pakhi

Pakhi
hat Erfahrung in Meditation, ist Altenpflegerin und das Thema Sterben liegt ihr am Herzen